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Ibbenbüren

„Nachruf auf einen Freund“

Zum Tode Rob Mulders

Mittwoch, 14. Feb. 2018 - 18:35 Uhr
von Ibbenbürener Volkszeitung (Redaktion)

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Er hat mehr als drei Jahrzehnte lang die Jugend- und Kulturarbeit in seiner Stadt geprägt. Am 11. Februar ist Rob Mulder, Leiter des Ibbenbürener Jugendkulturzentrums Scheune, plötzlich und unerwartet gestorben. Die Jugend- und Kulturszene in Ibbenbüren und weit darüber hinaus trauert um den 58-Jährigen. Ingo Knollmann, Frontmann der Band Donots, hat in Gedenken an Rob Mulder ganz persönliche Zeilen verfasst.

Foto: Claus Kossag

              Rob Mulder, hier bei Vorbereitungen des Austausch-Projektes mit China in den Räumen des Jugendkulturzentrums in Ibbenbüren, war Initiator zahlreicher Projekte.
Rob Mulder, hier bei Vorbereitungen des Austausch-Projektes mit China in den Räumen des Jugendkulturzentrums in Ibbenbüren, war Initiator zahlreicher Projekte.

Wer irgendwo jemals wirklich zu Hause gewesen ist, der kennt mit Sicherheit dieses wohlige Gefühl, dass Türen, egal zu welcher Uhrzeit, immer offen stehen. Als ich Anfang der 90er Jahre zum ersten Mal das Jugendkulturzentrum Scheune betreten habe, empfand ich das genau so. Ein weltoffener, sehr einladender Ort, der niemals eine Willkommens-Türmatte gebraucht hätte, um klarzumachen: Hier bist du goldrichtig, egal, wer du bist und woher du kommst.

Nun ist ein Zuhause aber auch immer nur so einladend wie seine Bewohner selbst, und so ist es an vorderster Front wohl tollen Menschen wie Robert Jan Mulder zu verdanken, dass das Kulturzentrum samt Kunstschule und Pink Pop e.V. über die Jahre ein so oft, gern und regelmäßig frequentierter Ort für viele Jugendliche geworden ist. Ein Dach für kreative Kids wie für gelangweilte Punks, für Kulturschaffende und Subkultur-Interessierte, für Querdenker, Geradeausmarschierer und eben auch eine echte Bleibe für Teens und Twens aus schwierigen Familienverhältnissen und jenen Backgrounds, die so gern mit leicht gerümpfter Nase „soziale Brennpunkte“ genannt werden.

Rob Mulder war das immer egal. In seinen Augen und dadurch auch in der Scheune waren alle gleich, jenseits von Geschlecht, Herkunft, Konfession, sexueller Orientierung oder irgendwelcher nichtigen Grenzen. Hierarchien wurden hier eigentlich immer zum Wohle der Gruppenerfahrung flach gehalten oder gemeinsam plattgeklopft. Mulder war zwar am Ende des Tages der Hauptverantwortliche, aber trotzdem nie der Boss allein.

Am Sportzentrum 27-30 hatte jeder eine Aufgabe und eine Stimme. Robs großes Talent, in den richtigen Momenten Verantwortungen zu übertragen und in den wichtigen Momenten voll zu übernehmen, den Kids im guten Sinne Grenzen aufzuzeigen und sie dann doch immer wieder selbst ausloten zu lassen, und vor allem sein unbändiger Tatendrang und Enthusiasmus haben jeden Tag aufs Neue Leben in eine Einrichtung gepumpt, die wahrscheinlich die wichtigste Ibbenbürener Schule nach oder neben der Schule war und ist.

Festivals auf der Bühne des Jugendkulturzentrums und auch Open Airs, musikalische Städtepartnerschaften und Austausch-Wochen, Jugendfreizeiten, Walk Acts, Podiumsdiskussionen, Workshops. Alles konnte, alles musste. Wo sich andere Leute noch leicht belustigt mit der Frage getragen haben, „ob“ ein neues Projekt umsetzbar sei, hatte Mulder schon seine Autoschlüssel in der Hand, um sein Büro zu verlassen und das „wie“ in Erfahrung zu bringen. Unmöglich schien mit der niederländischen Frohnatur nichts zu sein, man saß ja schließlich mit vielen Leuten im gleichen Boot, und Spaß haben würde man so oder so. The more the merrier eben. Dann wurde aus der Hüfte geschossen eine Infrastruktur für das jeweilige Projekt auf die Beine gestellt, rumvisioniert und im gleichen Augenblick schon realisiert. Schließlich wurden finanzielle Hilfsmittel beantragt, die am Ende des Tages natürlich immer eine tolle und wichtige Hilfe waren, aber für die gesamte Mannschaft stets vornehmlich eher als moralische Stütze dienten, denn:

Rob war Zeit seines Lebens absoluter Team-Player und wusste in jedem Moment um die Wichtigkeit ehrenamtlicher Arbeit. Die einzelnen Teile waren in seiner Rechnung immer nochmal größer als die Summe, und jeder noch so kleine Posten wurde weltwichtig vergeben und betreut. Diese Art von Gemeinschaftssinn, von sehr gesundem Inklusionsgedanken und positiver Zielgerichtetheit beherrschte Rob wie kein zweiter. Und wenn Rob etwas wollte, dann lotete auch er seine eigenen Grenzen wieder und wieder neu aus. Wenn man gewissen Menschen attestiert, „für eine Sache zu brennen“, dann wäre der Mann mit dem sympathischen holländischen Akzent wohl die ultimative Aufgabe für die Ibbenbürener Feuerwehr gewesen.

Zuletzt hatte sich Rob telefonisch bei mir gemeldet und auf ein Interview unserer Band Donots (geboren und aufgewachsen in und mit der Scheune) reagiert, in dem wir scherzten, wir würden gerne mal einen Ringkampf mit ihm und dem amtierenden Bürgermeister in einem Schwimmbecken voller Linsensuppe austragen. Rob hatte schon einen Ort und einen Termin für die Angelegenheit im Kopf. Und während ich am Telefon noch leicht belustigt über das „ob“ nachdachte, hatte er schon seine Autoschlüssel in der Hand, um mit dem Bürgermeister höchstselbst darüber zu sprechen.

Rob Jan Mulders Tod reißt ein großes Loch in die Herzwand der (Jugend)Kulturszene einer Stadt, die heute und in Zukunft nochmal mehr Puls brauchen kann, um ihren Kids einen positiven, kreativen und vor allem unbeschwerten Umgang mit dem Erwachsenwerden aufzuzeigen. Ibbenbüren verliert ein herzliches Original, einen Mentor, einen Familienvater und Kollegen – und vor allem einen wunderbaren Freund, dessen Tür immer offen stand.

Gute Reise. Ingo Donot

Foto: Linda Braunschweig

Ingo Knollmann
Ingo Knollmann

Leiter des Jugendkulturzentrums Rob Mulder verstorben

Die Scheune ist sein Lebenswerk

-ck- IBBENBÜREN. Die Jugend- und Kulturszene in Ibbenbüren und weit darüber hinaus trauert um Rob Mulder. Der 58-jährige Leiter des Jugendkulturzentrums Scheune starb am 11. Februar plötzlich und unerwartet. Ibbenbüren verliert mit Rob Mulder eine Persönlichkeit, die mehr als drei Jahrzehnte die Jugend- und Kulturarbeit geprägt hat.

Rob Mulder, am 3. April 1959 als eines von sieben Geschwistern in Zwolle (Niederlande) geboren, kam 1984 nach Ibbenbüren, zunächst als Praktikant ins Jugendamt. Parallel studierte Mulder Sozialpädagogik an der Uni Twente in Enschede. In der Scheune gab es seinerzeit nur eine Tischtennisplatte. Mulder kritisierte früh, dass unter anderem zu wenig für die Rockmusik getan werde, die Jugendarbeit war mehr Aufsicht als Kreativanleitung. Das änderte sich schnell, als Rob Mulder 1987 die Leitung des Jugendkulturzentrums Scheune übernahm.

Viele, viele Projekte, die unter seiner Führung auf die Beine gestellt wurden, sind in allerbester Erinnerung. Herausragend dabei die Pink-Jazz-Festivals, die bei den Austauschen hochqualifizierte Musiker und Dozenten nach Ibbenbüren brachten. Mulder und den Ehrenamtlichen der Scheune, auf die er so viel Wert legte, waren die Stadtfeste lange Jahre eine Herzensangelegenheit. So wie die Ferienfreizeiten, die seit 1987 seine Sommerurlaubs-Planung bestimmten. Eine einmalige Konzeption, wie sich Verantwortliche der Scheune und der Jugendkunstschule des Pink Pop e.V. erinnern, weil damit junge Leute animiert wurden, selber in die Jugendarbeit einzusteigen. Und Mulders Familie, seine Frau und vier Kinder, trugen dieses Leben für die Scheune, für die Jugendarbeit mit. Rob Mulder, er setzte sich daheim wie in der Scheune mit der gleichen Motivation und Überzeugung für die Belange der jungen Leute ein. Ein roter Faden in seinem Leben. Dabei war ihm „die Einheit“ ganz wichtig, beruflich wie privat.

Mulder gelang es, Bands wie „Green Day“ in die Scheune zu holen, die „Donots“ wurden in der Scheune sozusagen geboren, der Reigen an Erfolgsgeschichten ließe sich nahtlos fortsetzen. Ja, und Rückschläge gab es auch. Projekte, die nicht verwirklicht werden konnten, wie zum Beispiel der Hawaii-Austausch. Mulder stellte sich stets der Kritik, ließ sich davon aber nie entmutigen. Im Gegenteil. Mulder suchte immer nach neuen Projekten, immer zusammen mit den Jugendlichen, die nach seiner festen Überzeugung nur durch Erfahrungen lernen und wachsen können. Dabei war sein Credo „Schulter drunter setzten“, Hilfestellung geben, zusammen etwas erreichen. Damit das große Ziel nie aus den Augen verloren wurde, das er so formuliert hat: „Von, für und durch Jugendliche.“ Ein Satz, der Programm in der Scheune über Jahrzehnte ist.

Rob Mulder, der so sympathisch seinen niederländischen Akzent einfließen ließ, er war ein begnadeter Netzwerker. Ob bei den Austauschen, im deutsch-niederländischen Städtepartnerschaftsverein, bei den Rotariern oder beim jüngsten Großprojekt des Jugendaustausches mit China, er konnte Menschen überzeugen und mitnehmen. Egal, ob hochoffizielle Delegationen oder am runden Tisch in der Diskussion mit Jugendlichen. Letzteren war er eine Vaterfigur, ein Vorbild. Es war immer sein Ziel, dass die Jugendlichen die Lorbeeren ernten und motiviert werden. Viele von ihnen sind heute selber erfolgreich in der Jugendarbeit tätig.

Nicht immer in den vielen Jahren hat Rob Mulder von der Stadt die Anerkennung bekommen, die ihm gebührt hätte. Es gab auch mal Gegenwind. Aber davon ließ er sich nicht vom Weg abbringen. Er blieb für die Scheune der „Fels in der Brandung“.

Mit Fug und Recht darf gesagt werden, dass die Scheune sein Lebenswerk und sein Vermächtnis ist. Wobei er selber stets die Teamleistung in den Vordergrund stellte. Rob Mulder hinterlässt große Fußstapfen. Und er wünschte sich bestimmt, dass die Scheune im bisherigen Geist weitergeführt wird und Unterstützung erfährt, um die Freiräume für Jugendliche zu erhalten.

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